Enterprise 2.0 zulassen statt treiben

Der letzte Beitrag des Kienbaum Communications Blog war Anstoß zu meinen Überlegungen zum „Treiber von E2.0“ in Unternehmen und zu dieser Gedankenkette. Im Blog werden Reaktionen auf folgenden Appell von Stephan Grabmeier

HR muss Treiber für das Enterprise 2.0 sein und sich als Impulsgeber etablieren – auf Augenhöhe mit der Unternehmensleitung

zusammengetragen und engen sich meist auf die Frage ein, wer denn nun der Treiber sei, obwohl Stephan Grabmeier hier aus meiner Sicht gar keinen Alleinanspruch für HR reklamiert hatte. In seinem Zitat steht schließlich auch nicht „der Treiber“ sondern nur „Treiber“. Alles andere ist wohl eher Interpretation der Zuhörer.

Vielmehr wurde HR hier nach meinem Verständnis beispielhaft für jede Abteilung im Unternehmen aufgefordert, das Thema „Enterprise 2.0“ auf dem Spielfeld mitzugestalten statt nur auf den Zuschauerrängen zu beobachten. Impulsgeber für das Thema kann jeder im Unternehmen sein. Da jedoch der Impuls in Abhängigkeit von der Masse steht, werden Impulsgeber mit größerer Macht im Unternehmen automatisch eine größere Treiberrolle spielen, da ihr Impuls mehr bewegen kann.

Trotzdem hatte ich mich auf die Frage des „Wer ist denn nun der Treiber“ eingelassen und darauf gewartet, dass ein Kommentar auf denjenigen hinweist, der die größte Macht zum treiben hat, nämlich die Spitze des Unternehmens. Schließlich ist doch die HR Abteilung auch nur eine von mehreren, die ein Enterprise2.0 fördern oder auch behindern kann, da sie nicht den vollständigen Zugriff und Entscheidungsgewalt über die anderen mitspielenden Abteilungen hat. Aus meiner Sicht ist die Art der Führungskultur, Personalpolitik und der Arbeitsplatzgestaltung, also die HR Domäne einer der größten Faktoren für den Enterprise2.0 Erfolg,  doch gibt es auch Unternehmensbereiche wie Strategie (möchte ich Produkte offen statt geheim entwickeln?), Marketing, Service (wie offen kommuniziere ich Probleme und Störungen nach außen), Technik (teile ich meine Entwicklungen mit externen?), Controlling (lasse ich dezentrale Steuerung zu?), die ihre Kernziele sicher nicht von HR vorgegeben bekommen sondern vom Chef des ganzen.  Somit war meine erste Schlussfolgerung, dass nur der der Treiber sein könnte, der auch die Macht dazu hat, also der Chef selber.

Als nächstes habe ich überlegt, was „der Chef“ denn nun tun müßte, um das Enterprise2.0 maximal zu „treiben“: Ein Enterprise2.0 treibender Chef müßte

  • zentrale Steuerung dezentralisieren
  • der Meinung und Kompetenz der Masse Macht geben
  • Eigeninitiative fördern
  • Wissensteilung mit externen offensiv zulassen, um intern wirklich ungehemmt Wissen austauschen zu können
  • „Können“ statt „Wissen“ in den Mittelpunkt der Unternehmensstrategie setzen (siehe auch Beiträge von Gerhard Wohland  im Interview und in „Denkwerkzeuge der Höchstleister
  • Talente sich entfalten lassen
  • Fehler als Lernelement zulassen

Bei der Betrachtung dieser Liste ist mir aufgefallen, dass jeder Punkt ein „Zulassen“ bedeutet und ein „sich selbst zurücknehmen“, „Macht abgeben“ und wenig mit „Anweisungen“ zu tun hat, die blind zu befolgen sind, sondern mit deren Abschaffung. Wenn ich dem Mitarbeiter also erlaube, kritische Themen intern offen zu diskutieren und ihn dabei vor Sanktionen seiner direkten Vorgesetzten schütze, wenn ich Mitarbeitern an der Kundenfront eigenständige Handlungsspielräume zum Nutzen des  Unternehmens einräume, wenn kritisches Hinterfragen gefördert wird, wenn ich Ideen nicht nur „manage“ sondern die Ideengeber mit der Beteiligung an der Umsetzung belohne, jedem einzelnen mehr Gewicht gebe und mir und meiner Führungsmannschaft weniger Gewicht, dann fördere ich als Unternehmenschef das Enterprise2.0 durch „Zulassen“ und nicht durch „Treiben“.

Wenn man nun wieder die Formel des Impulses betrachtet, wird eine Erhöhung der Einflußmasse aller Mitarbeiter mit einer Verringerung der Einflußmasse weniger Führungsspitzen insgesamt zu einer höheren Durchschlagskraft des Unternehmens führen. Gleichzeitig wird die Fehlentscheidung eines einzelnen durch die Crowd Intelligence ein Unternehmen nicht so schnell aus dem Tritt bringen, wie die Fehlentscheidung einer einzigen Führungsspitze, der Lerneffekt jedoch wird das Unternehmen weiter stärken.

Wenn das der Betriebsrat hört, müßten eigentlich wirklich bald alle begeistert an einem Strang ziehen und das Unternehmen2.0 durchstarten lassen, oder?

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Zeitmaschine Microblog

Ein klassischer E2.0 Anwendungsfall, der oft als Anforderung an E2.0 Applikationen gestellt wird, ist der neue Mitarbeiter im Unternehmen, der sich selbständig mit wenig Aufwand in seine neue Arbeitswelt reinfinden soll. Besonders wichtig wird die schnelle Integration von neuen Mitarbeiten bei Übernahme ganzer Abteilungen anderer Unternehmen und Mergern.

Erste Ansätze, es neuen Mitarbeitern leichter bei der Einarbeitung zu machen, waren die Ansätze nach ISO 9001, nach denen es für jeden Mitarbeiter ein Handbuch für den Arbeitsplatz gab, in dem er sich über Regeln, Prozesse und die Aufbauorganisation informieren konnte. Diese Ordner mußten regelmäßig (meist erst kurz vor einem Qualitätsaudit) angepaßt werden. Später wurde dies mindestens theoretisch durch zentrale Dateiablagen erleichtert. Meist hat man sich hier jedoch nur den aktuellen Stand ohne Historie angesehen, weil alles andere zu aufwändig gewesen wäre. Auch eine Auswahl nach Relevanz war nur schwer möglich.

Eine große Hürde besteht  für neue Mitarbeiter  aus meiner Sicht durch „Management by e-mail, durch das neuen Mitarbeitern alle Informationen aus Mails, die vor ihrem Arbeitsstart entstanden sind, verborgen sind. Wenn auch Präsentationen der Alteingesessenen nur als Mailanhänge auf deren Mailaccounts lagern, haben es neue Mitarbeiter schwer, schnell auf den erforderlichen Wissensstand zu kommen. Da hilft auch nicht das theoretische existierende Fileshare.

Durch Wikis wurde das Nachvollziehen zumindest der letzten Änderungen schon einfacher, da man sich entweder alte Seitenversionen ansehen konnte oder auch die „recently updated“ Liste der Projektwikis. Für den Blick in die Vergangenheit scheint mir jedoch auch hier die Usability Hürde noch recht hoch.

Einen großen Sprung für einen Einblick in die Vergangenheit bietet uns nun der Microblog einer Abteilung oder eines Projektes. Da es sich grundsätzlich um timelinebasierten Content handelt, sind auch alte Inhalte per einfacher Suche gleichberechtigt und im Zusammenhang auffindbar. Auf einen Blick kann ich hier sehen, wer sich zu einem Thema wie geäußert hat, kann die zeitlich nahe Diskussion zu diesem Thema nachverfolgen und herausfinden, wie sich Themen im Laufe der Zeit entwickelt haben.

Ein großer Vorteil zu allen anderen Tools ist hier der niederschwellige Charakter des Microblogs, bei dem auch völlig unfertige Ideen und spontanes dokumentiert wird. So kann eine Timeline entstehen, die mit einer Idee zu einem Produkt oder einer Problemlösung beginnt, dann diskutiert wird, sich wandelt, bei einem guten System sogar bewertbar ist und schließlich zu einem einvernehmlichen oder aber auch nur durchgesetzten Ergebnis führt.

Somit bekommt „der Neue“ nicht nur Informationen, wie sich Themen nach und nach gewandelt haben und welche Gegenargumente es vielleicht gab, sondern er lernt auch etwas über Stimmungen zu Themen, Abteilungen, Kollegen und andere weiche Informationen. Er weiß, wer den Ton angibt, wer Ideen einbringt, wer nur schwer (und wenn ja mit welchen Argumenten) zu überzeugen ist und vieles mehr.

Zwar kann der Kollege die Vergangenheit mit einem Microblog nicht beeinflussen, kommt aber sonst einer Zeitmaschine doch schon recht nahe, und das wäre dann ja eine wirkliche Killerapp, oder? 😉

Bild: Coniaric some rights reserved Quelle: www.piqs.de
Published in: on 26. November 2010 at 17:15  Comments (4)  
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ROI Nachweis für Enterprise2.0 Projekte

Regelmäßig flammt die Diskussion des ROI für E2.0 Projekte auf. Besonders in zentral gesteuerten großen Unternehmen/Konzernen muss diese Hürde ab einer bestimmten Investitionssumme genommen werden, wenn man sich nicht auf strategisches oder Experimentalbudget stützen kann.

In der Regel wird ja für eine belastbare ROI Aussage ein Vergleich benötigt wird. Es wird eine Situation vorgefunden, die analysiert und bewertet wird und nach einer Maßnahme, die mit einem Invest verbunden ist, soll ein Nutzen erreicht werden. Beides soll gemmessen werden. Entweder kann man Aufwände in Prozessen in Ihrer Höhe (vorher/nachher) vergleichen oder entsprechend den Nutzen.

Bei Aufwandsvergleichen wird man dazu bestehende Prozessbeschreibungen als „vorher“ incl. der Aufwandsangaben pro Prozessschritt benötigen, um dann mit „nachher“ vergleichen zu können. Dort sehe ich das Problem, da entweder die Prozessschritte, die Web2.0 Tools unterstützen nicht beschrieben sind, da Kommunikationsanteile in Prozessen selten umfänglich erfasst sind oder die betreffenden Prozesse nicht beschrieben sind, da Web2.0 Tools hauptsächlich in kreativen und Individuallösungen ihren großen Nutzen entfalten. In der Regel sind jedoch vorrangig die massentauglichen automatisierten Prozesse beschrieben.

Ich habe von einem Fall gehört, bei dem aufgrund einer Prozessoptimierung Drucker nicht mehr von einem festen internen Mitarbeiter ausgeliefert wurden, sondern anonym durch einen Dienstleister in wechselnder Besetzung. Dadurch wurden negative Effekte erzielt, da der Mitarbeiter früher durch den direkten Userkontakt immer wusste, welche Probleme die Kollegen mit den Druckern hatten und dies rückmelden konnte. Diese Kommunikation war aber im Prozess nicht erfasst. Somit kann sie auch in einem „vorher/nachher“ Vergleich nicht herangezogen werden.

Daher denke ich, dass ein Enterprise2.0 eine angepasste Entscheidungs- und Steuerungsmimik benötigt, die auf anderen Grundlagen als ROI, Business Case etc. funktioniert. Dass intuitive Entscheidungen oft die besseren sind und meist sowieso nur nachträglich durch scheinbare Objektivität unterlegt werden, würde diesen Anpassungsbedarf auch aus anderer Richtung unterstützen. Wie wäre es denn z.B. mit einer Abteilung/Gruppe als Versuchskaninchen für Enterprise2.0, die einfach einmal Veränderungen vornimmt und danach schaut, ob sie unterm Strich besser geworden ist, ohne dies auf Einzelschritte nachweisbar herunterbrechen zu können?

Das bedeutet für mich als Fazit, dass sich der softwarefremde Teil der notwendigen Veränderungen in Kultur, Organisation und Steuerung hin zu einem Enterprise2.0 weiter erhöht. Wer dies erkannt hat und bei sich mutig und konsequent umsetzen kann, wird aus meiner Sicht einen immensen Wettbewerbsvorteil erreichen.

Published in: on 18. November 2010 at 16:26  Schreibe einen Kommentar  
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No Coffee and Cigarettes @EnterpriseMicroblog

Der Nutzen und der Kummunikationsmechanismus des Microblog im Unternehmen wird oft mit einer Kaffeeküche, dem Flurfunk oder der Raucherpause verglichen.

Coffee@CigarettesDann folgt meist das Nutzenargument, dass ein Microblog auch virtuell funktioniert und somit gerade in großen Unternehmen auch lokal verteilten Arbeitsgruppen eine Kaffeeküche mit ihrer wichtigen Kommunikation bietet. Diesen anschaulichen Vergleich unterstütze ich voll und nutze ihn selbst gerne. Aus meiner Sicht  wird hier jedoch ein wichtiger Aspekt der Kaffeeküche und der Raucherpause übersehen: Der Kaffee und die Zigaretten fehlen!

Wer würde  sich denn  in der Kaffeeküche noch zum Plausch treffen, wenn es dort keinen Kaffee gäbe? Wer würde sich gar in die Kälte vor die Tür stellen, wenn man dort nicht rauchen wollte? Auch der Raum des Netzwerkdruckers würde wohl ohne Drucker recht leer stehen und ohne Flurfunk auskommen müssen. Der Kommunikationsbedarf  ist also nicht der Beweggrund diese Orte aufzusuchen und die Kommunikation dort nur eine Begleiterscheinung.

Wenn nun in Unternehmen ein Microblog für eine Arbeitsgruppe installiert wird, wundert sich mancher, warum dieser entgegen der Ambitionen der Ersteller nicht wirklich zur lebhaften Tratschecke, zum Flurfunk, zum Kaffeegespräch wird. Ich denke mir, dass hier einfach der Kaffee fehlt und man somit nicht vom Effekt enttäuscht sein darf, sondern Kaffee bereitstellen muss, also irgendetwas, was mich im Alltag dazu bringt, diesen Kommunikationsort gerne aufzusuchen. Die Informationen werden trotzdem ausgetauscht, nur leider nicht für das ganze Team sichtbar. Unscheinbare Kleinigkeiten, werden über den einfachsten Weg kommuniziert, der sich bietet.  Dafür wird kein neuer Ort aufgesucht, sondern ein bestehender „mit genutzt“. Das ist in virtuellen Teams bisher zum Beispiel das Telefonat mit dem Kollegen zu einem Fachthema, in dem ich erwähne, dass ich mir gerade eine Pizza bestellt habe und morgen übrigens ganz früh mit dem Flieger nach Bonn muss. Leider erfährt ein anderer Kollege, der zur selben Zeit fliegt davon nichts  und ein produktives Treffen (z.B. bei einem Kaffee) sowie das Angebot, mich zum Flughafen mitzunehmen kommen nicht zustande. Virtuelle Teams sind hier noch immer benachteiligt.

Alle, die nun schon gespannt auf die Pointe dieses Artikels und das Patentrezept zur Beseitigung dieses Mangels sind, muss ich an dieser Stelle erst einmal enttäuschen: Ich habe keine Lösung, aber:

Dies ist ja ein Blogartikel, der Kommentare zuläßt und somit der Schwarmintelligenz der Leser eine Chance bietet, gemeinsam eine Lösung zu finden. Hat jemand eine Idee, was das Kaffeeangebot des Microblog werden könnte?

Bild: By matsukawa1971
Published in: on 4. Oktober 2010 at 11:44  Comments (2)  
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PREZI statt Powerpoint?

Auf Tagungen mit innovativen Themen sind sie kaum noch wegzudenken. Meist taucht irgendein Redner mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen auf und überrascht die Zuhörer mit einer PREZI Präsentation.

Eine PREZI Präsentation unterscheidet sich von den gewohnten Powerpoint Slides dadurch, dass auf einer Präsentationsfläche alle Inhalte nebeneinander platziert werden, statt auf mehreren Folien, wie es die Powerpoint Systematik vorsieht. Das erscheint mir konsequenter die Möglichkeiten des Computers zu nutzen als die Microsoft Adaption der alten Overhead Folien mittels Powerpoint.

Innerhalb einer Prezi Präsentationsfläche kann man nun durch zoomen und schwenken der Perspektiven auf bestimmte Ausschnitte seine Geschichte erzählen, ohne harte Brüche zu haben. Der Zoomeffekt lässt zu, Themen optisch erst allgemein (groß) und dann im Detail (Zoom) zu behandeln und doch eindeutig den Gesamtzusammenhang in der Totalen darzustellen.

Eine Beispielpräsentation kann man sich hier ansehen.

Aktuell tauchen immer öfter beeindruckende Alternativen zu herkömmlichen Softwareprodukten auf, die dadurch bestechen, dass sie viel Stärker auf den Anforderungen der Nutzer gepaart mit den Möglichkeiten des  Computers basieren. Eine fast eins zu eins Übertragung alter Werkzeuge in die Computerwelt hat dort oft das nachsehen.

Ist PREZI wirklich eine Alternative zu Powerpoint oder ist das nur meine rosarote Sicht als technikbegeisterter E2.0 Projektmanager?

Wer kennt weitere Beispiele für innovative Softwarealternativen? Das würde mich besonders interessieren.

Zusätzliche Informationen: http://www.prezi.de, http://prezi.com, Prezi@TED

Bildequelle und Bildrechte: http://www.flickr.com/photos/touristic/3179431370/sizes/s/

Published in: on 22. Juni 2010 at 13:36  Schreibe einen Kommentar  
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Der ideale Change Follower

Der ideale Change Follower

Heute wurde ich im Rahmen eines Interviews zum Thema Change Management im Enterprise2.0 Umfeld gefragt, welche Eigenschaften für mich der ideale Change Follower hat und wie ich Change Follower täglich wahrnehme.

Durch die Beschäftigung mit dieser Frage, hat sich für mich selber geklärt, dass der geeignete Change Follower, also derjenige, der einen Change gut unterstützt, im Enterprise2.0 Umfeld meiner Erfahrung nach weder altersabhängig noch ausbildungsabhängig oder hierarchieabhängig ist.  Auch Technikaffinität spielt eine untergeordnete Rolle. Vielmehr ist es jemand, der neugierig ist, der Spaß am ausprobieren neuer Sichtweisen und Handlungsvarianten hat, der sich innovativ auf neues Ideen einläßt und kurzfristig dafür sogar Einbußen in Kauf nimmt, da er an einen langfristigen Gewinn glaubt. Es sind visionäre Mitarbeiter mit guter Vorstellungskraft, die einem Changeprozess am effektivsten und schnellsten unterstützen.

Ideal ist dabei für mich eine heterogene Menge von Followern, die sich aus allen Altersgruppen, aus Kritikern und vorbehaltlosen Unterstützern, aus neuen und erfahrenen Mitarbeitern aller Hierarchieebenen zusammensetzen.

Jetzt bleibt für mich nur noch die Frage unbeantwortet: Habe ich damit nun auch endlich erkannt, was alle anderen schon wußten oder ist das eine Erfahrung, die anderen nützlich sein kann oder bin ich hier auf einem Holzweg?

Outlook als Enterprise 2.0 Hürde?

Neulich habe ich versucht, einer Abteilung eines Unternehmens einen themenbasierten Microblog auf der Basis von Communote schmackhaft zu machen. Ich habe dem Team gezeigt, wie einfach es ist, in das Eingabefeld kurz den aktuellen Arbeitsstatus einzutragen. Ich habe Argumente wie „unfertiges wird öffentlich“, „wenig Aufwand, großer Nutzen“ oder „die Information erreicht auch Kollegen, die ich im Mailverteiler vergessen hätte“ und „Mehrere Stichwörter pro Artikel möglich“ angeführt und die erste Rückfrage war:

Werde ich per Mail informiert, wenn ein neuer Eintrag erfolgt?

Damit hatte ich nicht gerechnet und war so verblüfft, dass ich nicht passend reagieren konnte. Meine Redezeit war auch schon fast aufgebraucht. Diese Mitarbeiterreaktion verdeutlicht eine große Hürde bei der Einführung von Web2.0: Viele User arbeiten mit drei klassischen zentralen Anwendungen:

  • Outlook
  • Excel
  • Powerpoint

In meinem Umfeld ist nach meiner Wahrnehmung Outlook das Zentrum der Arbeitsorganisation, das die Arbeit zeitlich taktet und thematisch organisiert. Hier werden weit verzweigte Postfachstrukturen mit Themenaufteilungen gebildet und die tägliche Arbeit aus den eingehenden Mails getaktet. Dabei fällt mir auf, dass der Desktop außer zur freien Sammlung von Dateien, die man eben nicht unter meine Dateien ablegt, wenig zentrale Funktion hat, außer dort zu Arbeitsbeginn auf Outlook zu klicken, falls dies nicht gleich automatisch startet. Im Mobile Device Bereich wurde dafür eigens ein eigenes Gerät mit dem Namen Blackberry entwickelt. Dies zeigt, wie mailzentriert wir organisiert sind.

Und warum ist das nun eine Hürde? Weil die Arbeitsweise sich an den Möglichkeiten dieser Programme ausgerichtet hat. Diese sind in ihren Möglichkeiten beschränkt und haben somit auch unsere Arbeitsweise beschränkt, sind aber zur Gewohnheit geworden und eben diese sind für die meisten Menschen nur mit Energieaufwand änderbar.

Schade ist dabei, dass eine Umstellung der Arbeitsweise begleitet durch passende Tools einen enormen Gewinn für Mitarbeiter und Unternehmen mit sich bringen würde. Beispielsweise beschreibt Ernst Pöppel im aktuellen Lufthansa exclusive Magazin, dass durch die schnelle Taktung beispielsweise durch e-Mails Komplexität nicht mehr erfasst und Fehlentscheidungen getroffen werden. Außerdem handelt man nur noch reaktiv ohne dass Informationen noch im Gehirn abgelegt werden. Kreativität kann man dabei schon gar nicht mehr erwarten. Ein Ausweg wäre hier sicher die oft empfohlene Konzentration auf eine Aufgabe, also das konzentrierte Lesen von Nachrichten zu bestimmten Zeitpunkten am Tag und nicht im Moment des Eintreffens einer Nachricht (Microsoft zeigt mir das ja auch gerne sofort mittels Geräusch an), in dem ich dann eine andere Arbeit unterbreche.

Für dieses konzentrierte Einholen von Nachrichten kann ich mir eben gerade einen Microblog sehr gut vorstellen, in dem ich mir zu bestimmten Themen (Tags) am Vormittag und am späten Nachmittag Überblick über Themen verschaffe, die für mich aktuell hohe Relevanz besitzen. Dies schließt ja nicht aus, dass ein Absender durch einen Push Mechanismus zum Beispiel mittels einer direct Message den Empfänger direkt erreicht und von mir aus auf seinem Rechner auch ein Glöckchen läuten läßt. Die Fütterung des Microblogs mit meinen Inhalten erfolgt dagegen situativ also zu dem Zeitpunkt, an dem sie entstehen.

Ein Microblog kann die arbeitsorganisierende Nutzung des Outlook nicht ersetzen und wird somit wohl seine Wirkung erst entfalten können, wenn die Web2.0 Welt ein Angebot für einen zentralen Arbeitsplatz im Portfolio hat, das meine Arbeit zeitlich und thematisch sortiert. Hier kann ich bis auf noch unzureichend ausgereifte Ansätze á la Liferay die Lösung nicht entdecken. Aber dies wäre vielleicht einmal ein Thema für einen anderen Blogbeitrag.

Foto: 姒儿喵喵

Published in: on 5. April 2010 at 17:36  Comments (7)  
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