Zeitmaschine Microblog

Ein klassischer E2.0 Anwendungsfall, der oft als Anforderung an E2.0 Applikationen gestellt wird, ist der neue Mitarbeiter im Unternehmen, der sich selbständig mit wenig Aufwand in seine neue Arbeitswelt reinfinden soll. Besonders wichtig wird die schnelle Integration von neuen Mitarbeiten bei Übernahme ganzer Abteilungen anderer Unternehmen und Mergern.

Erste Ansätze, es neuen Mitarbeitern leichter bei der Einarbeitung zu machen, waren die Ansätze nach ISO 9001, nach denen es für jeden Mitarbeiter ein Handbuch für den Arbeitsplatz gab, in dem er sich über Regeln, Prozesse und die Aufbauorganisation informieren konnte. Diese Ordner mußten regelmäßig (meist erst kurz vor einem Qualitätsaudit) angepaßt werden. Später wurde dies mindestens theoretisch durch zentrale Dateiablagen erleichtert. Meist hat man sich hier jedoch nur den aktuellen Stand ohne Historie angesehen, weil alles andere zu aufwändig gewesen wäre. Auch eine Auswahl nach Relevanz war nur schwer möglich.

Eine große Hürde besteht  für neue Mitarbeiter  aus meiner Sicht durch „Management by e-mail, durch das neuen Mitarbeitern alle Informationen aus Mails, die vor ihrem Arbeitsstart entstanden sind, verborgen sind. Wenn auch Präsentationen der Alteingesessenen nur als Mailanhänge auf deren Mailaccounts lagern, haben es neue Mitarbeiter schwer, schnell auf den erforderlichen Wissensstand zu kommen. Da hilft auch nicht das theoretische existierende Fileshare.

Durch Wikis wurde das Nachvollziehen zumindest der letzten Änderungen schon einfacher, da man sich entweder alte Seitenversionen ansehen konnte oder auch die „recently updated“ Liste der Projektwikis. Für den Blick in die Vergangenheit scheint mir jedoch auch hier die Usability Hürde noch recht hoch.

Einen großen Sprung für einen Einblick in die Vergangenheit bietet uns nun der Microblog einer Abteilung oder eines Projektes. Da es sich grundsätzlich um timelinebasierten Content handelt, sind auch alte Inhalte per einfacher Suche gleichberechtigt und im Zusammenhang auffindbar. Auf einen Blick kann ich hier sehen, wer sich zu einem Thema wie geäußert hat, kann die zeitlich nahe Diskussion zu diesem Thema nachverfolgen und herausfinden, wie sich Themen im Laufe der Zeit entwickelt haben.

Ein großer Vorteil zu allen anderen Tools ist hier der niederschwellige Charakter des Microblogs, bei dem auch völlig unfertige Ideen und spontanes dokumentiert wird. So kann eine Timeline entstehen, die mit einer Idee zu einem Produkt oder einer Problemlösung beginnt, dann diskutiert wird, sich wandelt, bei einem guten System sogar bewertbar ist und schließlich zu einem einvernehmlichen oder aber auch nur durchgesetzten Ergebnis führt.

Somit bekommt „der Neue“ nicht nur Informationen, wie sich Themen nach und nach gewandelt haben und welche Gegenargumente es vielleicht gab, sondern er lernt auch etwas über Stimmungen zu Themen, Abteilungen, Kollegen und andere weiche Informationen. Er weiß, wer den Ton angibt, wer Ideen einbringt, wer nur schwer (und wenn ja mit welchen Argumenten) zu überzeugen ist und vieles mehr.

Zwar kann der Kollege die Vergangenheit mit einem Microblog nicht beeinflussen, kommt aber sonst einer Zeitmaschine doch schon recht nahe, und das wäre dann ja eine wirkliche Killerapp, oder? 😉

Bild: Coniaric some rights reserved Quelle: www.piqs.de
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Published in: on 26. November 2010 at 17:15  Comments (4)  
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